Statement zur Facebook-Sperre anarchistischer Autor:innen, Künstler:innen und Kollektiven

Am 20. August 2020 hat Facebook die Konten von Crimethinc, it’s going down und scheinbar sympathisierenden Künstler:innen und Autor:innen gesperrt. Wir erklären uns solidarisch mit den Betroffenen und verurteilen diesen Akt der Zensur. Begründet wird die Sperrung der Seiten mit der liberalen Hufeisentheorie, nach der Links- und Rechtsradikale im wesentlichen gleich schlimm seien. In Deutschland ist sie eine langjährige Arbeitsgrundlage des Verfassungsschutzes und damit auch tief verwurzelt in hiesigen Institutionen und liberalem Denken.
Ein von uns und vielen Anderen unterstützter Solidaritätsaufruf/offener Brief zu der Sperrung von anarchistischen und antifaschistischen Facebook-Seiten, findet ihr bei den Gefährt:innen von Agency.
Wir wollen bei der Kritik von Facebooks Entscheidung und der Solidarität mit den Betroffenen jedoch nicht stehen bleiben. Wir wollen unseren Blick auch darauf richten, welche problematische Rolle Facebook, Twitter, Instagram und co. für unsere Bewegung einnehmen und welche Handlungsoptionen es gibt.
Kapitalistische Social Media Konzerne sind ein fundamentaler Bestandteil sozialer Bewegungen für ihre Außendarstellung, -kommunikation und Reichweite. Es ist ein Widerspruch unseres antikapitalistischen Aktivismus, die Menschen auf den milliardenschweren Plattformen FB und co. zu halten. Der Zutritt zu diesen Plattformen wird sich mit unseren Daten erkauft. Wer liked wen, wer nimmt woran teil, und wer ist Teil welches Netzwerks? Aber auch: Wer wird Ziel von Repression oder Zensur? Auch in Deutschland wird linker Content (termporär) gesperrt, geo-geblockt, schlechter auffindbar gemacht oder es werden linke Accounts gleich gänzlich gelöscht. 
Wir wollen selbstverständlich Menschen dort erreichen, wo sie sind. Das mag diesen Widerspruch rechtfertigen und von jeder:jedem einzelnen Akteur:in selbst entschieden werden.
Es ist für unsere Bewegung aber gefährlich sich darauf zu verlassen, dass wir Zugang zu diesen Plattformen behalten. Vielmehr müssen wir den Menschen, denen wir dort begegnen, den Weg raus aufzeigen und die kapitalistischen  Plattformen problematisieren.
Doch wie sieht der Weg raus aus den kommerziellen Plattformen aus? Und wie stellen wir sicher, dass er in kollektiv gepflegte digitale Räume führt?
Zunächst müssen wir aufhören Social Media Konzerne zu promoten. „Folgt/Schreibt uns auf Facebook/Twitter/Instagram/…“, „Hier ist der FB-Link“, „#XY“, …
Die Befreiung aus ausbeuterischen Abhängigkeitsverhältnissen ist immer aufwendig, doch digitale Souveränität ist Teil unserer Utopie. Es gibt leider noch keine Alternative, die genauso bequem oder effektiv ist. Doch es sind schon Strukturen und Software vorhanden, auf denen aufgebaut werden kann.
Es gibt Tech-Kollektive wie systemli.org, systemausfall.org, dismail.de, disroot.org, fairapps.net, riseup.net, it-kollektiv.com, die euch Clouds, Mailinglisten, Email-Adressen zur Verfügung stellen. Und sie sind mitunter auch ansprechbar Lösungen für euch bereitzustellen. Wichtig ist auf freie Software zu setzen, die auch auf einem eigenem Server laufen könnte. So entsteht keine Abhängigkeit von einem Anbieter.
Weil es bei freier Software oft mehrere Angebote gibt, wirkt es scheinbar kompliziert. Nur das Prinzip ist bereits bekannt: Für eine E-Mail-Adresse muss sich auch erst mal ein Anbieter ausgesucht werden. 
Die studentische Gruppe gnuHU hat ihren Ansatz für Öffentlichkeitsarbeit aufgeschrieben:
Die Lösung besteht darin, unfreie, zentralisierte Soziale Netzwerke nur noch in der Form zu nutzen, von Usern, die sich nur noch dort aufhalten, gefunden zu werden, nicht aber, weitere User dort hin zu leiten. Kurz gesagt: Unfreie, zentralisierte Netzwerke passiv nutzen.
Stattdessen werden in aktiver Weise soziale Netzwerke genutzt, die auf Freier Software basieren […]
Graphisch beschreiben lässt sich die von #gnuHU favorisierte Lösung einer passiven Nutzung unfreier Soziale Netzwerke zugunsten einer aktiven Nutzung freier Sozialer Netzwerke wie folgt: Nachhaltige PR: Von Tech-Giganten weglinken, ins Fediverse
Wenn ihr Fragen habt oder euch zu dem Thema austauschen wollt, erreicht ihr uns gerne verschlüsselt via glitzerkatapult (at) riseup.net.
Die Befreiung aus unseren unerwünschten digitalen Abhängigkeiten können wir nur selber vorantreiben. Wir müssen die digitale Praxis erproben, die wir sehen wollen.

Als Ergänzung zum Text, möchten wir euch nun kurz Alternativen aufzeigen:
Um bereits interessierte Menschen über eure Arbeit zu informieren, könnt ihr
  • einen Blog oder eine Webseite betreiben
  • Newsletter versenden
Um mit Menschen zu interagieren und/oder sie auf euch aufmerksam zu machen, könnt ihr Social Media Plattformen nutzen wie: 
  • Mastodon (Twitter)
  • Pixelfed (Instagram)
  • Friendrica (0.5Facebook)
Um eure Veranstaltungen zu veröffentlichen, könnt ihr natürlich eure/n Webseite/Blog nutzen. Doch wenn Menschen eure Termine auch auf dem Handy importieren können sollen, oder mehr Interaktion gewünscht ist, gibt es
  • Mobilizon (0.5Facebook)
  • Gancio
  • Demosphere
  • Nextcloud
Um eure Videos zu veröffentlichen, gibt es
  • PeerTube (YouTube)
Um eure Podcasts zu veröffentlichen, gibt es
  • Funkwhale (Spotify, Soundcloud)
Als offenen Messenger (z.B. ein Broadcast-Kanal) könnt ihr
  • XMPP (Telegram, Whatsapp)
nutzen.
Vieles wird noch aktiv entwickelt, und es kommen neue Sachen hinzu.
Weiterführende Links:

„Zukunft für Alle“ Kongress in Leipzig – Mit zwei Workshops von uns

Nach dem bekannten Sommerloch geht es auch bei uns bald wieder los und wir freuen uns sehr über eine Einladung der Orga vom „Zukunft für Alle“ Kongress in Leipzig.

Wir werden dort im Rahmen des Kongresses (siehe auch Aktuelle Termine) unseren Workshop „Schönheitsideale in die Tonne treten!“ (zum Thema Lookismus) und den Vortrag „Anarchafeminismus“ halten. „Schönheitsideale“ wird am Freitag, 28.08. von 11 bis 12:30 Uhr stattfinden und „Anarchafeminismus“ am Samstag, 29.08. von 15 bis 16:30 Uhr. Beide Vorträge werden im Tipi (Karl-Heine-Strasse 85-93, 1. Stock) in Leipzig stattfinden.
Wir freuen uns sehr darauf, mal wieder Vorträge live vor Teilnehmenden zu halten und mit diesen ins Gespräch zu kommen. Natürlich werden wir Verantwortungsvoll mit unserer Rolle als Vortragende in Zeiten der Pandemie umgehen und versuchen, dass sich alle Teilnehmenden vor Ort wohl fühlen können. Wir hoffen ihr habt Lust, zu unseren Veranstaltungen zu kommen!

Der „Zukunft für Alle“ Kongress bietet ein echt spannendes Programm (das findet ihr hier: ZfA-Programm) und viele der Veranstaltungen werden Online angeboten – wenn ihr nicht in Leipzig wohnt oder aber aktuell vorsichtig seid, andere Menschen zu treffen, dann könnt ihr trotzdem am Kongress teilnehmen. Die Orga freut sich, wenn sich noch Teilnehmende anmelden. Das könnt ihr hier machen: ZfA-Anmeldung.

Bis bald in Leipzig!

11. Juni: Tag der langzeitgefangenen Anarchist:innen

Heute am 11. Juni ist Tag der langzeitgefangenen Anarchist:innen. Wir senden libertäre Grüße durch die Gitterstäbe! Unsere Gedanken sind (nicht nur) heute bei den Gefährt:innen, die sich in der Gefangenschaft des Staates befinden.

Warum wir allgemein gegen Knäste und für die Freiheit aller Gefangenen sind, fasst dieser schon etwas ältere, aber sehr lesenswerte Text gut zusammen. Daher eine Leseempfehlung von uns:

Anarchie – Eine Welt ohne Gefängnisse

Für eine Gesellschaft ohne Knäste!

Online-Filmabend: Bold Native

Die Pandemie ändert die Art, wie wir uns organisieren oder uns treffen können. Daher wollen wir nun diesen Sonntag, 03.05.2020 um 18:00 Uhr unsere erste Online-Veranstaltung anbieten. Es soll ein Versuch sein, weiter politische Inhalte zu vermitteln, uns austauschen zu können oder auch einfach mal um sich nicht alleine zu fühlen.

Wir zeigen über die Plattform watch2gether an dem Abend „Bold Native“ (2010, englisch), einen Spielfilm über die Tierbefreiungsbewegung und ihrem Verhältnis zur Tierschutzbewegung. Es geht um legalen und illegalisierten Aktivismus, Tierbefreiung als direkte Aktion und Aktivist*innen die im Untergrund Aktionen vorbereiten und vom FBI gesucht werden.
*Triggerwarnung zum Film: Es werden Szenen mit Tierausbeutung gezeigt, ebenso wird kurz Polizeigewalt thematisiert*

Auf der Plattform watch2gether (leider nicht Open Source, aber kostenlos) kann mensch nebenbei chatten und gerne wollen wir danach per Chat oder Kamera/Audio mit euch diskutieren (leider kann mensch das Audio nicht ohne Kamera benutzen – also wer mag Kamera abkleben).

Kommt am besten am Sonntag ein paar Minuten früher in den „Raum“, damit wir pünktlich starten können – natürlich ist auch späteres einsteigen möglich.

Hier ist der Link: Da die Veranstaltung vorbei ist, steht hier kein Link mehr.

Anschließend werden wir eine Liste mit Tier-/ und Erdbefreiungs-Gefangenen posten, an die mensch einen Brief schicken kann. Gerade Gefangene sind in der derzeitigen Pandemie mit am stärksten betroffen und freuen sich immer über ein paar Worte von Menschen außerhalb der Knastmauern.
Update nach der Veranstaltung:

Hier ein Link zu einer Liste von Tier- und Erdbefreiungs-Gefangenen:

https://www.unoffensiveanimal.com/prisoner-support/#1533301783776-a956f1dc-cb4b

Wenn ihr allgemeiner Interesse an einer Liste mit Gefangenen habt, die sich über Briefe freuen:

https://nycabc.files.wordpress.com/2020/03/nycabc_polprisonerlisting_mar2020.pdf

Briefe helfen den Menschen im Knast durch diese Zeit! Also schreibt gerne fleißig :)…

Wir würden uns freuen, wenn ihr zahlreich zuschaltet und euch anschließend mit uns austauschen möchtet!

Die Bullenschweine und der Speziesismus* – oder warum wir Cops keine Tiernamen geben

Wenn wir in der anarchistischen und linksradikalen Szene von Polizei sprechen, fällt meistens die Bezeichnung „Bullen“, manchmal auch „die Schweine“ oder halt „die Bullenschweine“. Auch auf Englisch werden die Cops oft als pigs bezeichnet. 
Wir finden es richtig und nachvollziehbar Verachtung gegenüber Cops auszudrücken. Gleichzeitig wollen wir keine Sprache benutzen, die Unterdrückung aufrecht erhält und verfestigt.
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Die Bezeichnungen „Bulle“, „Schwein“ oder „Bullenschwein“ dient dazu die Cops abzuwerten. Wir bezeichnen sie nicht als irgendwelche Tiere, sondern als sogenannte Nutztiere. Also Tiere einer Spezies von der in unserer Kultur die meisten Menschen glauben, es sei legitim diese Tiere zu töten und zu verspeisen. Kühen und Schweinen werden außerdem viele negative Eigenschaften zugeschrieben wie „dumm“ oder „unrein“, die wenig mit der Realität zu tun haben.
Eine bestimmte Gruppe von Menschen mit Tieren zu vergleichen, kann dazu dienen Gewalt gegen diese Personen zu rechtfertigen. Cops als Bullen oder Schweine zu bezeichnen, soll den gleichen, brutalen Umgang mit ihnen rechtfertigen, dem Schweine und Kühe in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind.
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Soviel zu dem Mechanismus der mit dieser Wortwahl bedient wird.
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Unsere Sprache und die unbedachte Wahl unserer Worte können eine Form von Gewalt gegen bereits unterdrückte Gruppen sein. Problematisch ist dabei, dass wir mit dieser Wortwahl die gängigen Herrschaftsverhältnisse gegenüber Tieren, also Speziesismus* aufrecht erhalten. 
Wir wünschen uns eine linksradikale Szene, die alle Herrschaftverhältnisse kritisiert und ablehnt. Dazu gehört für uns auch die Ausbeutung von Tieren abzulehnen und zu bekämpfen. Die Befreiung von Tieren ist für uns ein wichtiger Teil eines Kampfes für eine befreite Gesellschaft. Dass Kühe, Schweine und andere Tiere dem Menschen unterworfen werden, für seine Zwecke ausgebeutet und/oder getötet werden, lehnen wir daher ab. Diese Verhältnisse werden unter anderem damit gerechtfertigt dass Tiere „minderwertig“ seien.
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Wenn wir Tiervergleiche verwenden um Polizist*innen und andere Personen abzuwerten, unterstützen wir ein System, in dem Tiere massiv ausgebeutet und unterdrückt werden. 
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Versteht uns nicht falsch, auch wir verachten die Polizei. Gerade deshalb wollen wir sie nicht mit sozialen Kühen und intelligenten Schweinen vergleichen.
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*Speziesismus (aus Spezies (= Art) und -ismus) bezeichnet die Diskriminierung von Lebewesen ausschließlich aufgrund  ihrer Artzugehörigkeit. Dies schließt ein, dass das Leben oder das Leid  eines Lebewesens nicht oder weniger stark berücksichtigt wird, weil es nicht einer bestimmten Spezies, wie etwa der Spezies Mensch, angehört. Für die politische Tierbefreiungsbewegung ist Speziesismus jene Ideologie, durch die die Ausbeutung der Tiere in der menschlichen  Gesellschaft ideologisch gerechtfertigt und verschleiert wird. Dabei  wird Speziesismus als Unterdrückungsform mit Parallelen zu anderen Unterdrückungsformen wie Rassismus oder Seximus gesehen.

Statement zu dem rassistischen Terroranschlag in Hanau und die politischen Folgen

 
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Wir sind wütend und unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freund*innen von
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Ferhat Unvar, Hamza Kurtović,
Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov,
Sedat Gürbüz, Vili Viorel Păun,
Gökhan Gültekin, Said Nesar Hashemi,
Fatih Saraçoğlu.
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Der rassistische Anschlag vom 19. Februar in Hanau kommt leider nicht überraschend. Er fügt sich ein in eine ganze Reihe rassistischer Anschläge und Attentate – vom Oktoberfestattentat, Solingen, Mölln, Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda vor den 2000er Jahren – über brennende Unterkünften für Geflüchtete, NSU-Komplex, Walter Lübcke, Oury Jalloh, Burak Bektaş, Luke Holland, Halle 9.10.19. Dieser Anschlag ist ein Beispiel für die Kontinuität von rassistischem und rechtsextremen Terror in Deutschland.
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In Berlin fand daraufhin eine Solidaritätskundgebung in Neukölln statt, organisiert von antirassistischen Gruppen und eine Kundgebung am Pariser Platz, organisiert von der SPD. Wir befürworten diese klare Abgrenzung, nicht gemeinsam auf eine Kundgebung mit der SPD und anderen Parteien zu gehen. Auch die SPD trägt zu den herrschenden Verhältnissen bei. Gemeint sind rassistische Gesetze, Verfassungsschutz-Behörden, Polizeien, Schulen, Grenzabschottung, Racial Profiling und vieles mehr. Es sind diese Verhältnisse, denen wir unversöhnlich gegenüberstehen, mit denen wir brechen müssen.
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Es gibt keinen Grund zur Hoffnung, dass staatlich organisierte Behörden migrantisches Leben schützen und die rechte Szene entwaffnen werden. Denn es sind eben jene Behörden, die rechtsterroristische Strukturen in der Vergangenheit immer wieder geschützt haben. Es sind u.a. Polizist*innen und Soldat*innen, die rechtsterroristische Strukturen bewaffnen. [1a,b] Deutschland hat ein Rassismus- und ein Rechtsextremismus-Problem. Auch und gerade in den Repressionsbehörden: Hannibal, Uniter, NSU 2.0. Diese Gruppierungen sind nur ein kleiner Teil einer vernetzten, radikalen, rechten Szene, die in der Vergangenheit unter dem Radar der Mainstream-Berichterstattung unbehelligt agieren konnte. Unter anderem auch, weil sogenannte Ermittlungsarbeit staatlicher Behörden und Repressionsorgane, Gewaltverbrechen nicht als rechtsterroristische Anschläge benennen will.  Behörden agieren mit nicht vorstellbarer Gewalt. Das Verbot von Linksunten Indymedia und die Verschärfung der Polizeigesetze sind bisher von vielen unterschätzte Schritte dieser akuten Autoritätsbeschleunigung. Pressefreiheit und Protest könnte in naher Zukunft unter dieser sich herausbildenden Autorität der Vergangenheit angehören.
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Wir empfinden es als Hohn und Spott, wenn nun Angela Merkel oder Volker Bouffier meinen, etwas zu rassistischem Terror in Deutschland zu sagen zu haben. Merkel, die ihr Versprechen von lückenloser Aufklärung der NSU Morde – auch des Netzwerks, sog. „Hintermänner“ – nie einlöste. Bouffier schützt den VS-Mitarbeiter Andreas Temme, unterstützt durch die Grünen. Temme kennt den Mörder von Halit Yozgat, wenn er ihn nicht sogar selbst hingerichtet hat. [2] Es macht uns zornig, dass es nur bei Heuchelei der Regierenden bleibt. [3]
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Es ist gut, dass die AfD für ihren Rassismus endlich unter erheblichen Druck gerät. Die Forderung kann jetzt aber nicht sein, die AfD durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen, der rassistische und rechtsradikale Täter*innen unterstützt bzw. Aufklärungsarbeit gegen sie behindert. Die Konsequenz muss sein, den Verfassungsschutz abzuschaffen. Denn es kann keine Antwort sein, Repressionsbehörden zu stärken. Es sind u.a. schließlich die Repressionsbehörden, die durch Lobbyarbeit einen autoritären Ausbau vorangetrieben haben. Dieser Ausbau hat zur Folge, dass die Behörden zunehmend keiner Rechenschaftspflicht oder Kontrolle mehr unterliegen. Wir müssen den Überwachungsstaat einreißen, denn ein autoritärer Staat und der Rechtsruck gehen Hand in Hand.
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Was aber ist unsere Gegenstrategie, die Schutzlosigkeit, Ohnmacht und Unterdrückung beendet? Die Antwort ist leider nicht so klar, wie unsere vorangegangene Analyse und Kritik. Als Teil der weißen Linken, heißt es uns einzugestehen, dass wir uns teilweise nicht getroffen fühlen. Wir können uns sehr einfach unserer linken Symbole entledigen und sind dann zu meist nicht mehr unmittelbar von rechtsradikaler Gewalt bedroht. Das bedeutet ganz unmittelbar, dass wir bei Menschen in unserem nicht-weißen Freund*innenkreis ein mal nachfragen, wie es ihnen geht. Wir müssen uns bewusst werden, dass sie tagtäglich von Rassismus und rechtsradikaler Gewalt betroffen sein können. Sich jetzt ehrlich mit (dem eigenem) Rassismus auseinander zu setzen ist eine Notwendigkeit. [4a,b,5] Lasst uns zeitgemäße Strategien entwickeln, die dem komplexen Problem gerecht werden. Rassismus gehört jeden Tag auf allen Ebenen benannt und bekämpft. Das bedeutet jetzt auch, unsere Praxis gegebenenfalls anzupassen und nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen. Deshalb rufen wir zur Beteiligung am  migrantisch organisierten Generalstreik am 08. Mai auf. [8]
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Es ist uns wichtig hier als (überwiegend) weiße Gruppe nicht nur unsere Meinung darzustellen. Daher möchten wir an dieser Stelle gerne Texte verlinken, die eine migranitische Perspektive zum Anschlag auf Hanau einnehmen und sich der Frage nach dem „wie weiter“ widmen. Deshalb, schickt uns Links von Texten/Podcasts, die wir in die Liste noch aufnehmen sollten.
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  • Redebeitrag vom NSU-Tribunal am 20. Februar 2020 bei den Kundgebungen in Berlin, Hamburg und Köln [6]
  • Radiosendung Kanak Attak vom 28.02.2020[7]
  • Aufruf zum Generalstreik am 8. Mai [8]
  • Podcast Diaspor.Asia, Folge 25: Migrantifa Demoguide [9]
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Falls ihr Facebook-Accounts habt, empfehlen wir euch sie zu löschen oder alternativ folgenden Accounts zu folgen:

  • Decolonizing Deutschland [10]
  • Migrantifa Hamburg [11]
  • Bloque Latinoamericano Berlin [12]
[4a,b] Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus. Noah Sow https://www.bod.de/buchshop/deutschland-schwarz-weiss-noah-sow-9783746006819 
[5] Anklage des Tribunals «NSU-Komplex auflösen» https://www.nsu-tribunal.de/anklage/

 

Anarchafeminismus-Vortrag in der Zelle79, Cottbus am 16.03.2020

Am Montag, 16.03.2020 sind wir zu Gast in der Küfa Plus der Zelle79 in Cottbus. Wir halten da unseren Vortrag zu „Anarchafeminismus“ und freuen uns über viele Teilnehmer*innen. Wenn ihr also in Cottbus seid, kommt doch gerne mit euren Freund*innen vorbei!

Und darum wird es gehen:

Was hat Feminismus mit Anarchismus zu tun? Ist Anarchismus nicht eh auch immer feministisch? Und warum haben die klassischen anarchistischen Theoretiker, wie Proudhon und Bakunin, Feminismus oft nicht mitgedacht? In unserem Vortrag werden wir darauf eingehen, was Anarchafeminismus eigentlich ist und wie er sich historisch entwickelt hat. Wir werden euch wichtige Anarchafeministinnen vorstellen. Zudem wollen wir auch über aktuelle Debatten im Anarchafeminismus sprechen und mit euch überlegen, welche Bedeutung Anarchafeminismus für unseren Alltag hat. Wir freuen uns außerdem darauf mit euch zu diskutieren und etwas über eure eigenen Erfahrungen zu hören.

So., 1. März 2020: Soli Bingo-Nachmittag für das No Nation Truck-Kollektiv!

Wir laden am Sonntag, 1. März 2020 zum Soli Bingo-Nachmittag für das No Nation Truck-Kollektiv in die K9 – Größenwahn (Kinzigstraße 9, Berlin-Friedrichshain)! Das ganze findet von 15 bis 20 Uhr statt. Es wird auch einen kurzen Input zum Projekt geben.

Blockt euch den Termin im Kalender, plündert eure Spardosen und bringt alle eure Freund*innen mit. Wir haben uns voll ins Zeug gelegt und richtig tolle Preise bei vielen (teils Kollektiv-) Betrieben ergattert, die auch helfen wollen – vielen Dank! Es ist bestimmt für alle etwas dabei. Die offene Bar, vegane Kuchen und Snacks bringen euch durch den Nachmittag.

Das No Nation Truck-Kollektiv möchte migrantische Kämpfe auf der Balkanroute unterstützen und möglichst effektiv, auf die sich immer wieder ändernden Fluchtrouten nach Zentral- und Westeuropa reagieren. Das soll in Form eines umgebauten LKWs passieren, aus dem heraus auf den Straßen Serbiens und Bosniens warmes Essen, Tee und Kaffee verteilt werden soll. Zudem soll der LKW 50 Mobiltelefone und Powerbanks gleichzeitig aufladen und Raum für geschulte medizinische Erst/Notversorgung bereitstellen können. Für die Realisierung braucht es Spendengelder und den Erlös aus solidarischen Veranstaltungen. Der LKW ist bereits gekauft, die Umbauphase läuft und im Frühling soll es losgehen.

Die Räumlichkeiten sind leider nicht barrierefrei, es geht durch das große Tor über den Hinterhof die Treppe hoch. Lasst bitte Hunde, Katzen und Niffler zu Hause.
Wir freuen uns auf euch und einen tollen Nachmittag!

Sa., 30.11.19: Workshop „Schönheitsideale in die Tonne treten“ in Münster (Westf.)

Kommenden Samstag, 30.11.2019, werden wir unseren Workshop „Schönheitsideale in die Tonne treten“ in Münster im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Queere Realtiäten und feministische Utopien“ der Projektstelle Feminismus vom ASTA der FH Münster halten. Wir freuen uns schon sehr drauf. Wenn ihr in der Nähe seid, kommt gerne vorbei! Los gehts um 18:00 Uhr.
Hier noch die Details zu Ort und Workshop:

Ort: Johann-Krane-Weg 25, Raum 110/111, FH Münster (Westf.)
Schönheitsideale in die Tonne treten!

Bei diesem Workshop zum Thema Lookismus, wollen wir Diskriminierung aufgrund von Aussehen und Schönheitsideale thematisieren. Wir möchten uns über erlebte Diskriminierung aber auch über Normen, die wir selbst verinnerlicht haben, austauschen. Wir werden versuchen Zusammenhänge zwischen Lookismus und kapitalistischen Interessen auf zu zeigen, ebenso wie die Berührungspunkte von Lookismus mit anderen Diskriminierungsformen. Es wird außerdem um die Body Positivity Bewegung gehen, die Körpernormen aufbrechen möchte und so versucht Menschen zu empowern.

Wer Lust hat, sich vorher schon mal mit dem Thema zu beschäftigen, der*dem empfehlen wir folgendes Video: https://www.youtube.com/watch?v=KM4Xe6Dlp0Y