„Gegenseitige Hilfe in Krisenzeiten“ – Online Vortrag beim rC3 (29.12. 19 Uhr)

Wir wurden von dem Kollektiv Vizak (diese organisieren als Assembly eigene Vorträge und Inhalte auf der rC3) eingeladen unseren Vortrag „Gegenseitige Hilfe in Krisenzeiten“ im Rahmen des rC3 (dem digitalen Chaos Computer Club Kongress) zu halten.

Das ganze findet am morgigen Dienstag, 29.12. um 19 Uhr statt und kann entweder auf der Kongress Plattform oder ohne Ticket auf der Seite von Vizak angeschaut werden.
–> vizak.org <–

Darum gehts:
„Solidarity not Charity“ war der Slogan vom Common Ground Collective, einer anarchistischen Organisation die nach dem Hurricane Katrina in New Orleans (USA) direkte gegenseitige Hilfe praktizierte. Viele weitere Anarchist:innen sind diesem Beispiel von Grenzenloser Solidarität gefolgt und haben Menschen in und nach Krisensituationen zur Seite gestanden.
Der Vortrag möchte das Konzept der Gegenseitigen Hilfe erläutern und auf einige praktische Beispiele aus den letzten Jahren eingehen. Außerdem sollen auch aktuelle Fälle von anarchistischer/anarchistisch geprägter gegenseitiger Hilfe thematisiert werden, sowie verschiedene Organisationsformen wie etwa Food Not Bombs.
Der Vortrag möchte somit Möglichkeiten und Chancen von anarchistischer, gegenseitiger Hilfe aufzeigen und wie diese auch in Krisen funktionieren kann.

Wir freuen uns schon drauf!

Das System bleibt die Krise

– Wie die Pandemie bestehende Probleme beschleunigt –

Als soziale Anarchist:innen stehen wir gerade vor schwierigen Zeiten. Wir taten uns anfänglich schwer damit, Kritik an Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie zu formulieren. Vereinzelnd gab es diese Kritik natürlich (*), aber wir konnten keine gut sichtbare emanzipatorische Gegenposition einnehmen. Wir sind oft weiter mit anderen Projekten beschäftigt, die auch nicht warten können. Neben Corona gibt es weitere wichtige Kämpfe an allen sozialen Fronten weltweit. Wir versuchen weiter die Klimakrise und die Vernichtung unseres Ökosystems auf zu halten oder flüchtende Menschen zu unterstützen. Die Pandemie traf viele von uns unvorbereitet. Einfache Antworten konnten und wollten wir auf die Einschnitte in unser Leben nicht geben.
So haben wir dann erlebt, wie rechtsextreme Netzwerke die Pandemie-Maßnahmen für sich genutzt haben. Sie sind zusammen mit tausenden Menschen, die die Maßnahmen ablehnten, auf die Straße gegangen. Rechte haben diese Proteste mit organisiert und wurden als willkommene Bündnispartner:innen akzeptiert. Dieser Zusammenschluss hat es geschafft, die Straße und mediale Berichterstattung zu dominieren. Rechte Positionen konnten so, unter anderem mit Facebook und Twitter, in die Gesellschaft getragen werden. Das Ausmaß und ihr Einfluss sind bis jetzt noch nicht abschätzbar.

Der eigenen Unsicherheiten geschuldet, als auch der Angst falsche Verbündete in der Kritik an den Maßnahmen zu finden, blieben vereinzelte, linke Aktionen gegen die Coronamaßnahmen nahezu bedeutungslos. Anstatt Theorien oder gesellschaftliche Handlungsoptionen zu entwickeln – und so die Diskussion mitzuführen – praktizieren wir eher gegenseitige Hilfe. Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen und zu schützen. Wir kaufen für andere ein. Wir minimieren unsere eigenen Kontakte und versuchen uns nicht „verantwortungslos“ zu verhalten. Wir nehmen die Pandemie ernst. Wir leugnen sie nicht und wir behaupten auch nicht, dass sie nur eine Grippe sei. Wir tragen Masken und halten Abstand. Wir verstehen sogar teilweise dass wir unsere Kontakte beschränken müssen, um diese Pandemie zu überstehen. Unsere Kontakt-Einschränkungen führen aber leider auch zu einer starken Verlangsamung unserer eigenen Organisierung, die den neuen Umständen angepasst werden muss. Continue reading

Zur Räumung des Protestcamps in Paris

Am 24.11 wurde in Paris auf dem Platz der Republik ein Protestcamp geräumt [1]. Geflüchtete wollten damit auf die vorherige Räumung eines von mehren tausend Menschen bewohnten Camps aufmerksam machen.

Laut den an dem Protest beteiligten Hilfsorganisationen, sind Menschen nach Auflösungen solcher Camps bislang nicht genügend untergebracht worden. Für viele führt es zu weiterer Obdachlosigkeit. Der Protest kritisierte den menschenunwürdigen Umgang mit Geflüchteten. Doch anstatt auf die Kritik einzugehen, wurde der Protest durch aggressives Vorgehen der Polizei unterdrückt. Die Räumung eines solchen Camps in Frankreich ist kein Einzelfall. Eines der bekannteren Camps war der Dschungel von Calais [2]. Unter anderem aufgrund von fehlenden Unterkünften in denen Menschen dauerhaft unterkommen können und zu wenigen Erstaufnahmeeinrichtungen, kommt es zur Bildungen von Camps. In diesen gibt es meist nicht genügend sauberes Wasser oder Sanitäranlagen.

Staaten fördern Projekte um flüchtende Menschen bereits innerhalb der Grenzen der Länder, aus denen sie fliehen, an der Flucht zu hindern. Oder sie lassen Ländern wie der Türkei Gelder zu kommen, um Geflüchtete möglichst weit von sich entfernt zu konzentrieren. Die Situation in Camps für flüchtende Menschen findet erst breite Beachtung, wenn Widerstand der oft faktisch Gefangenen geleistet wird, wie vor kurzer Zeit beim Camp „Moria“. Die Herrschenden richten Camps an entlegenen Orten ein, um die Camps vom Blick der Öffentlichkeit abzuschotten. Bilden sich jedoch spontan und aus Eigeninitiative Camps dort wo sie für alle sichtbar sind, in oder in der Nähe von Großstädten, werden sie intensiv bekämpft.

Hier zeigt sich die Distanzierung der Menschen voneinander, die durch staatliche Grenzen entsteht. Rassismus trennt uns voneinander. Durch diese Logik teilen wir dann willkürlich in „wir“ und „die“ ein.

Die Räumung des Protestcamps vom Platz der Republik, demonstriert den herabwürdigenden Umgang von Menschen, die erst durch das Denken innerhalb von staatlichen Konstrukten zu „anderen“ gemacht werden. Eine Einteilung in Kategorien wie „wir“ und „die anderen“, führt zu einer Abwertung von Menschen. Dadurch verfestigt sich auch eine Ansicht, dass „die anderen“ kein Recht hätten in ein anderes Land zu flüchten.

Hinzu kommt das gewaltsame Vorgehen der Polizei, gegen die Demonstrant*innen. Der französische Innenminister Darmanin übte hier zwar Kritik, wollte das Vorgehen aber nicht als strukturelles Problem innerhalb der Polizei als Institution erkennen. Darmanin selbst plant ein Gesetz, welches Foto und Video- Aufnahmen von Polizist*innen unter Strafe stellt, um diese zu schützen. Dabei sind es vor allem besonders bedrohte Minderheiten denen so die Möglichkeit genommen wird, sich vor der Polizei zu schützen. Die Polizei welche das staatliche Gewaltmonopol ausführt ist zwangsläufig in der Lage im Alltag willkürliche Herrschaft auszuüben. Gewalt ist eben auch ein alltägliches Mittel von ihnen. Daher sollten wir uns auch solidarisch mit den Kämpfen gegen dieses Gesetz in Frankreich erklären. Polizeigewalt muss öffentlich gemacht werden können. Nur so können wir langfristig darauf hinweisen, dass es eben keine Einzeltäter*innen sind. So kann der Gesellschaft gezeigt werden, dass es ein strukturelles Problem ist. Denn die Polizei ist nicht reformierbar und besonders für Minderheiten gefährlich.

Die Räumung des Camps, welches nur eines von vielen weiteren Camps ist, zeigt also, dass sich die Herabwürdigung von Geflüchteten nicht innerhalb von staatlicher Logik effektiv bekämpfen lässt. Wir müssen daher diese Herrschaftsstrukturen gemeinsam erkennen, sie überwinden und für eine menschengerechte, befreite Gesellschaft streiten. Wir stehen für eine Welt, in der sich alle Menschen frei bewegen können. Wir sind solidarisch mit flüchtenden Menschen und ihren Kämpfen.

[1] https://taz.de/Raeumung-eines-Fluechtlingscamps-in-Paris/!5731311/

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Dschungel_von_Calais

07.12.2020: Gegenseitige Hilfe in Krisenzeiten – Digitaler Vortrag im Rahmen des Café Noir

Auf Einladung des Café Noir aus Karlsruhe halten wir am Montag, 07.12. um 18 Uhr unseren Vortrag „Gegenseitige Hilfe in Krisenzeiten“ in einer aktualisierten Fassung. Natürlich digital und für alle erreichbar.

„Solidarity not Charity“ war der Slogan vom Common Ground Collective, einer anarchistischen Organisation die nach dem Hurricane Katrina in New Orleans (USA) direkte gegenseitige Hilfe praktizierte. Viele weitere Anarchist:innen sind diesem Beispiel von Grenzenloser Solidarität gefolgt und haben Menschen in und nach Krisensituationen zur Seite gestanden.
Der Vortrag möchte das Konzept der Gegenseitigen Hilfe erläutern und auf einige praktische Beispiele aus den letzten Jahren eingehen. Außerdem sollen auch aktuelle Fälle von anarchistischer/anarchistisch geprägter gegenseitiger Hilfe thematisiert werden, sowie verschiedene Organisationsformen wie etwa Food Not Bombs.
Der Vortrag möchte somit Möglichkeiten und Chancen von anarchistischer, gegenseitiger Hilfe aufzeigen und wie diese auch in Krisen funktionieren kann.

Wir freuen uns sehr über die Einladung des Café Noir und die passende Gelegenheit, über gegenseitige Hilfe zu sprechen und anschließend zu diskutieren. Aktuell gibt es viele Beispiele, wie (anarchistische) gegenseitige Hilfe Menschen während der Pandemie unterstützt. Vielleicht habt ihr ja auch Beispiele aus eurer eigenen Praxis oder wisst von Projekten aus eurer Umgebung und möchtet das am Ende mit anderen teilen. Wir sind gespannt.

Den digitalen Vortragsraum könnt ihr hier finden: https://indigo.collocall.de/caf-mqg-mwu-g2a
Dieser wird kurz vor Veranstaltungsbeginn freigeschaltet.

Sagt gerne euren Gefährt:innen und Freund:innen Bescheid – wir freuen uns darauf!

PS: Wer nach der Veranstaltung noch ein bisschen Geld übrig hat, kann gerne die Gefährt:innen vom Café Noir unterstützen:

Nägel mit Köpfen e.V.
DE21 6619 0000 0010 0494 15
Volksbank Karlsruhe

Solidarität mit antikolonialen Kämpfen – für antikoloniale Erinnerungskultur

Karte deutsch Kolonien

Am 15. November jährt sich der Beginn der sogenannten Kongo-Konferenz zum 136. Mal. Wir möchten daran erinnern, denn diese Konferenz legte den Grundstein für die Aufteilung Afrikas in Kolonien. Die Konferenz fand auf Einladung von Otto von Bismarck vom 15. November 1884 bis 26. Februar 1885 in Berlin statt. Deutschland etablierte sich als Kolonialmacht in Teilen des heutigen Namibia, Togo, Kamerun, Kenia, Tansania, Burundi und Ruanda.

 

Die koloniale Anmaßung der Aufteilung Afrikas wirkt bis heute in vielerlei Hinsicht fort. Studien belegen, dass Regionen, die auf diese Weise zerrissen wurden, bis heute wesentlich stärker unter Bürgerkriegen zu leiden haben und häufig ärmer sind, als andere. [1]
Die koloniale Gewaltherrschaft, die mit Peitsche und Verstümmelung dystopische Förderquoten u.a. für Kautschuk durchsetzen wollte, wandelte sich in vielen Regionen zu  kapitalistischer Ausbeutung. Diese neokoloniale Ausbeutung nimmt verschiedene Formen an, wie z.B. diskriminierende Handelspolitik, gewaltvolle und zerstörerische Schürfung von mineralischen Rohstoffen für den Globalen Norden, Verwertung (*) von Trinkwasser, Ausbeutung von Näherinnen oder Vertreibung von Kleinbäuer:innen durch Agrarkonzerne. Es sind auch diese Formen der Zerstörung von natürlichen Lebensgrundlagen und neokolonialer Ausbeutung, die Migrationsprozesse antreiben. Die Fortsetzung kolonialer Gewaltherrschaft drückt sich dann eben darin aus, dass Migrant*innen kriminalisiert und ertrunken gelassen werden.

 

Zur (moralischen) Rechtfertigung der kolonialen Gewalt wurde die „Rassentheorie“ entwickelt und der Kolonialrassimus tief ins Selbstverständnis der Kolonisierenden gebrannt. Auch der Kolonialrassimus wirkt bis in die Gegenwart. Für wohlhabende, weiße Schichten sind Reisen in den Globalen Süden im Rahmen von Schüler:innen-Austausch oder Freiwilligendienste üblich. In den Berichten darüber werden Menschen und Länder des  Globalen  Südens   stereotyp  und rassistisch dargestellt – sei es bewusst oder unbewusst. Manche Erzählungen lesen sich gar wie koloniale Reise-berichte. [2] Ausdruck des weißen Vorherrschaftsdenkens ist auch die erste Deutsche Kolonial-Ausstellung von 1896 im Treptower Park. Sie war auch eine „Völkerschau“, in der die Kolonialisierten in einer zoo-ähnliches Situation „ausgestellt“ wurden. Darüber informiert die Daueraustellung „zurückGESCHAUT“ gestaltet durch die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und berlin postkolonial e.V. [3,4]

 

Wir sind mit den Widerständen gegen (neo)koloniale Herrschaft solidarisch. Seien es erinnerungspolitische Kämpfe, wie die Reperationsforderungen für die Kolonialisierung insgesamt und speziell für den Völkermord an den Herero und Nama, oder Forderungen nach Umbenennungen von Straßen und Plätzen. Seien es Umwelt- und Klimakämpfe um indigenes Land, wie bei der North Dacota Access Pipeline auf dem Gebiet der Wet’suwet’en in Kanada oder bei den Brandrodungen des Amazonas und der Pantanal Feuchtgebiete in Brasilien. 

 

Wir sind für die Beseitigung der neokolonialen Ordnung damit der Weg geebnet ist für Aussöhnung und kollektive Verantwortungsübernahme. Unsere anarchistische Perspektive ist zwangsläufig antikolonial, antireligiös, antikapitalistisch, antirassistisch.

 

 

PS:
Der Auslöser sich als Gruppe mit Kolonialismus intensiver auseinander zu setzen war die empfehlenswerte Doku „Entkolonisieren“:

 

(*) Als Verwertung wird der Verkauf von Gegenständen, bezeichnet um daraus Profit zu schlagen 

 

Solidarity with anti-colonial struggles – for an anti-colonial culture of remembrance.

Map of German colonies

November 15th marks the 136th anniversary of the beginning of the so-called Berlin Conference, also known as the Congo Conference. We would like to remember it, because this conference laid the foundation for the division of Africa into colonies. The conference took place at the invitation of Otto von Bismarck in Berlin from November 15, 1884 to February 26, 1885. Germany established itself as a colonial power in parts of what is now Namibia, Togo, Cameroon, Kenya, Tanzania, Burundi and Rwanda.

The colonial arrogance to divide Africa continues to have an effect in many ways to this day. Studies have shown that regions that were torn apart in this way still suffer much more from civil wars and are often poorer than others. [1]
Colonial tyranny, which sought to impose dystopian production quotas for rubber, among other things, by means of whipping and mutilation, turned into capitalist exploitation in many regions. This neo-colonial exploitation takes various forms, such as discriminatory trade policies, violent and destructive mining of mineral resources for the Global North, utilization of drinking water for profit, exploitation of sewers or displacement of peasants by agribusinesses. It is also these forms of destruction of natural resources and neo-colonial exploitation that drive migration processes. The continued colonial tyranny is expressed in the fact that migrants are criminalized and left to drown.

 

For the (moral) justification of colonial violence, the „race theory“ was developed and colonial racism was deeply burnt into the self-image of the colonizers. Colonial racism is also effective to the present day. For wealthy, white classes, trips to the Global South are common in the context of student exchange or voluntary service. In the reports about them, people and countries of the Global South are portrayed in a stereotypical and racist way – consciously or unconsciously. Some stories even read like colonial travel reports. [2]  The first German Colonial Exhibition of 1896 in Treptower Park is also an expression of white supremacy thinking. It was also a „Völkerschau,“ in which the colonized were „exhibited“ in a zoo-like situation. The permanent exhibition „zurückGESCHAUT“, organized by the Initiative Schwarze Menschen in Deutschland and berlin postkolonial e.V., informs about this. [3,4]

 

We are in solidarity with the resistance against (neo)colonial domination. Be it memorial struggles, such as the demands for reparations for colonization as a whole and especially for the genocide of the Herero and Nama, or demands for renaming streets and squares. Be it environmental and climate struggles for indigenous land, such as the North Dakota Access Pipeline in the Wet’suwet’en area in Canada or the slash-and-burn clearances of the Amazon and the Pantanal wetlands in Brazil. 

 

We are for the abolition of the neocolonial order to pave the way for reconciliation and collective responsibility. Our anarchist perspective is inevitably anti-colonial, anti-religious, anti-capitalist, anti-racist.

 

 

PS:
The starting point to deal with colonialism more intensively as a group was the recommendable documentary „Entkolonisieren„:

Online-Filmabende: Entkolonisieren (3-teilig)

Nun wurde wieder ein Lockdown verhängt. Anlass für uns zu einem Online-Filmabend einzuladen. Wir zeigen die 3 Teile der Arte-Doku Entkolonisieren an den Donnerstagen 5.11,12.11 und 19.11 jeweils um 20:30 Uhr.

Den digitalen Raum findet ihr unter vynchronize.com/DokuWatch.

Wir zitieren an der Stelle eine Rezension von Cosmo-Radio und freuen uns auf schöne Abende:

Eine arte-Doku schildert den Kampf gegen koloniale Herrschaft aus der Perspektive der Kolonisierten.

Der Kolonialismus hat unsere Welt geprägt und tut dies bis heute. Arte widmet dem Thema deshalb den dreiteiligen Dokumentarfilm „Entkolonisieren“. Er schildert, welche Anstrengungen die Kolonialisierten unternommen haben, um sich von der kolonialen Herrschaft zu befreien –  von der Rebellion gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien 1857 bis zu den kenianischen Mau-Mau. Die konnten 2013 von der britischen Regierung auf hohe Entschädigungszahlen verklagen, weil sie von britischen Truppen gefoltert wurden. „Entkolonisieren“ erzählt diese Geschichte jedoch nicht nur aus der Perspektive der Politik, sondern auch aus der von Künstlern und Intellektuellen.

Der Psychiater Frantz Fanon etwa geht nach Algerien, um dort die Kolonialbevölkerung zu behandeln. Die Erfahrungen schildert er in seinem Buch „Schwarze Haut, weiße Masken“. Damit will er erreichen, dass die Schwarzen ihren Wunsch aufgeben, Weiße zu werden, wie es ihnen die Erziehung der Kolonialherren lange vorgemacht hat. Fanon ging in den Widerstand und wird in den 50er und 60er Jahren einer der wichtigsten Ideengeber beim Kampf gegen den Kolonialismus.

Der Kolonialismus war ein allumfassendes System, das nicht nur auf wirtschaftlicher Ausbeutung basierte, sondern auch auf Ideologie. Die Schädelforschung sollte im 19. Jahrhundert die Überlegenheit der Weißen beweisen. Aber auch dagegen gab es Widerstand – von Anténor Firmin, einem Anthropologen aus Haiti. Er konnte 1885 beweisen, dass die Forschungsergebnisse der Schädelforscher falsch waren. Sie hatten sich bei ihren Erkenntnissen von Mythen leiten lassen. Die Wissenschaftler haben Firmins Erkenntnisse jedoch einfach ignoriert.

„Entkolonisieren“ beschreibt, wie der Kampf gegen den Kolonialismus ein Kampf um die Köpfe war. Und dafür greift die Doku auch auf außergewöhnliches Bildmaterial zurück. Es gibt kaum Interviews mit Zeitzeugen und auch nicht viel historisches Bildmaterial, was man ja von einem Dokumentarfilm eigentlich erwartet. Stattdessen greifen die Filmemacher auf Animationen und Spielfilme zurück, die in Indien oder Afrika gedreht wurden. Und der Soundtrack besteht aus Musik aus Afrika oder Pop aus den Migranten-Communities im UK oder Frankreich. „Entkolonisieren“ entwickelt eine andere Film-Ästhetik: Afrikaner, Inder oder Menschen aus der Karibik sind hier nicht nur Opfer, sondern Menschen, denen es gelungen ist, ihre eigene Geschichte zu schreiben – durch ihre Taten, aber auch durch ihre Bilder.

Interview mit Radio Corax zu Anarchafeminismus

Das unabhängige Radio Corax aus Halle war bei unserem Vortrag zu Anarchafeminismus beim „Zukunft für Alle“-Kongress in Leipzig und hat ein kleines Interview mit zwei Menschen von uns geführt. Hauptsächlich geht es darum, wie die beiden zum Anarchafeminismus gekommen sind und was dieser, sehr kurz zusammen gefasst, eigentlich ist.

Wir bedanken uns bei Radio Corax für das Gespräch und freuen uns, den Beitrag hier noch einmal zum nachhören bereit zu stellen.

Viel Spaß beim hören…

 

Und hier noch die Anmoderation bzw. Beschreibung von Radio Corax zum Interview:

„Linke anarchistische Gruppen sind nicht unbedingt frei von Sexismus und auf der anderen Seite sind auch manche feministische Strömungen, wie zB neoliberale Feminismen, nicht immer unbedingt antikapitalistisch sind. Anarchafeminismus bringt diese beiden Kämpfe zusammen. Ein Kollektiv, dass sich mit Anarchafeminismus auseinandersetzt und dazu Bildungsarbeit leistet, ist das anarchistische Kollektiv Glitzerkatapult aus Berlin. Im Rahmen des Kongresses Zukunft für Alle, ausgerichtet vom Konzeptwerk Neue Ökonomie in Leipzig, veranstaltete das Kollektiv einen Workshop zum Thema Anarchafeminismus. Corax hat an dem Workshop teilgenommen und sich im Vorfeld mit den Workshopleiter*innen unterhalten. Wir haben sie zuerst gefragt, wie sie ganz persönlich zum Anarchafeminismus gekommen sind.“
(Quelle: https://www.freie-radios.net/104292)

Statement zur Facebook-Sperre anarchistischer Autor:innen, Künstler:innen und Kollektiven

Am 20. August 2020 hat Facebook die Konten von Crimethinc, it’s going down und scheinbar sympathisierenden Künstler:innen und Autor:innen gesperrt. Wir erklären uns solidarisch mit den Betroffenen und verurteilen diesen Akt der Zensur. Begründet wird die Sperrung der Seiten mit der liberalen Hufeisentheorie, nach der Links- und Rechtsradikale im wesentlichen gleich schlimm seien. In Deutschland ist sie eine langjährige Arbeitsgrundlage des Verfassungsschutzes und damit auch tief verwurzelt in hiesigen Institutionen und liberalem Denken.
Ein von uns und vielen Anderen unterstützter Solidaritätsaufruf/offener Brief zu der Sperrung von anarchistischen und antifaschistischen Facebook-Seiten, findet ihr bei den Gefährt:innen von Agency.
Wir wollen bei der Kritik von Facebooks Entscheidung und der Solidarität mit den Betroffenen jedoch nicht stehen bleiben. Wir wollen unseren Blick auch darauf richten, welche problematische Rolle Facebook, Twitter, Instagram und co. für unsere Bewegung einnehmen und welche Handlungsoptionen es gibt.
Kapitalistische Social Media Konzerne sind ein fundamentaler Bestandteil sozialer Bewegungen für ihre Außendarstellung, -kommunikation und Reichweite. Es ist ein Widerspruch unseres antikapitalistischen Aktivismus, die Menschen auf den milliardenschweren Plattformen FB und co. zu halten. Der Zutritt zu diesen Plattformen wird sich mit unseren Daten erkauft. Wer liked wen, wer nimmt woran teil, und wer ist Teil welches Netzwerks? Aber auch: Wer wird Ziel von Repression oder Zensur? Auch in Deutschland wird linker Content (termporär) gesperrt, geo-geblockt, schlechter auffindbar gemacht oder es werden linke Accounts gleich gänzlich gelöscht. 
Wir wollen selbstverständlich Menschen dort erreichen, wo sie sind. Das mag diesen Widerspruch rechtfertigen und von jeder:jedem einzelnen Akteur:in selbst entschieden werden.
Es ist für unsere Bewegung aber gefährlich sich darauf zu verlassen, dass wir Zugang zu diesen Plattformen behalten. Vielmehr müssen wir den Menschen, denen wir dort begegnen, den Weg raus aufzeigen und die kapitalistischen  Plattformen problematisieren.
Doch wie sieht der Weg raus aus den kommerziellen Plattformen aus? Und wie stellen wir sicher, dass er in kollektiv gepflegte digitale Räume führt?
Zunächst müssen wir aufhören Social Media Konzerne zu promoten. „Folgt/Schreibt uns auf Facebook/Twitter/Instagram/…“, „Hier ist der FB-Link“, „#XY“, …
Die Befreiung aus ausbeuterischen Abhängigkeitsverhältnissen ist immer aufwendig, doch digitale Souveränität ist Teil unserer Utopie. Es gibt leider noch keine Alternative, die genauso bequem oder effektiv ist. Doch es sind schon Strukturen und Software vorhanden, auf denen aufgebaut werden kann.
Es gibt Tech-Kollektive wie systemli.org, systemausfall.org, dismail.de, disroot.org, fairapps.net, riseup.net, it-kollektiv.com, die euch Clouds, Mailinglisten, Email-Adressen zur Verfügung stellen. Und sie sind mitunter auch ansprechbar Lösungen für euch bereitzustellen. Wichtig ist auf freie Software zu setzen, die auch auf einem eigenem Server laufen könnte. So entsteht keine Abhängigkeit von einem Anbieter.
Weil es bei freier Software oft mehrere Angebote gibt, wirkt es scheinbar kompliziert. Nur das Prinzip ist bereits bekannt: Für eine E-Mail-Adresse muss sich auch erst mal ein Anbieter ausgesucht werden. 
Die studentische Gruppe gnuHU hat ihren Ansatz für Öffentlichkeitsarbeit aufgeschrieben:
Die Lösung besteht darin, unfreie, zentralisierte Soziale Netzwerke nur noch in der Form zu nutzen, von Usern, die sich nur noch dort aufhalten, gefunden zu werden, nicht aber, weitere User dort hin zu leiten. Kurz gesagt: Unfreie, zentralisierte Netzwerke passiv nutzen.
Stattdessen werden in aktiver Weise soziale Netzwerke genutzt, die auf Freier Software basieren […]
Graphisch beschreiben lässt sich die von #gnuHU favorisierte Lösung einer passiven Nutzung unfreier Soziale Netzwerke zugunsten einer aktiven Nutzung freier Sozialer Netzwerke wie folgt: Nachhaltige PR: Von Tech-Giganten weglinken, ins Fediverse
Wenn ihr Fragen habt oder euch zu dem Thema austauschen wollt, erreicht ihr uns gerne verschlüsselt via glitzerkatapult (at) riseup.net.
Die Befreiung aus unseren unerwünschten digitalen Abhängigkeiten können wir nur selber vorantreiben. Wir müssen die digitale Praxis erproben, die wir sehen wollen.

Als Ergänzung zum Text, möchten wir euch nun kurz Alternativen aufzeigen:
Um bereits interessierte Menschen über eure Arbeit zu informieren, könnt ihr
  • einen Blog oder eine Webseite betreiben
  • Newsletter versenden
Um mit Menschen zu interagieren und/oder sie auf euch aufmerksam zu machen, könnt ihr Social Media Plattformen nutzen wie: 
  • Mastodon (Twitter)
  • Pixelfed (Instagram)
  • Friendrica (0.5Facebook)
Um eure Veranstaltungen zu veröffentlichen, könnt ihr natürlich eure/n Webseite/Blog nutzen. Doch wenn Menschen eure Termine auch auf dem Handy importieren können sollen, oder mehr Interaktion gewünscht ist, gibt es
  • Mobilizon (0.5Facebook)
  • Gancio
  • Demosphere
  • Nextcloud
Um eure Videos zu veröffentlichen, gibt es
  • PeerTube (YouTube)
Um eure Podcasts zu veröffentlichen, gibt es
  • Funkwhale (Spotify, Soundcloud)
Als offenen Messenger (z.B. ein Broadcast-Kanal) könnt ihr
  • XMPP (Telegram, Whatsapp)
nutzen.
Vieles wird noch aktiv entwickelt, und es kommen neue Sachen hinzu.
Weiterführende Links:

„Zukunft für Alle“ Kongress in Leipzig – Mit zwei Workshops von uns

Nach dem bekannten Sommerloch geht es auch bei uns bald wieder los und wir freuen uns sehr über eine Einladung der Orga vom „Zukunft für Alle“ Kongress in Leipzig.

Wir werden dort im Rahmen des Kongresses (siehe auch Aktuelle Termine) unseren Workshop „Schönheitsideale in die Tonne treten!“ (zum Thema Lookismus) und den Vortrag „Anarchafeminismus“ halten. „Schönheitsideale“ wird am Freitag, 28.08. von 11 bis 12:30 Uhr stattfinden und „Anarchafeminismus“ am Samstag, 29.08. von 15 bis 16:30 Uhr. Beide Vorträge werden im Tipi (Karl-Heine-Strasse 85-93, 1. Stock) in Leipzig stattfinden.
Wir freuen uns sehr darauf, mal wieder Vorträge live vor Teilnehmenden zu halten und mit diesen ins Gespräch zu kommen. Natürlich werden wir Verantwortungsvoll mit unserer Rolle als Vortragende in Zeiten der Pandemie umgehen und versuchen, dass sich alle Teilnehmenden vor Ort wohl fühlen können. Wir hoffen ihr habt Lust, zu unseren Veranstaltungen zu kommen!

Der „Zukunft für Alle“ Kongress bietet ein echt spannendes Programm (das findet ihr hier: ZfA-Programm) und viele der Veranstaltungen werden Online angeboten – wenn ihr nicht in Leipzig wohnt oder aber aktuell vorsichtig seid, andere Menschen zu treffen, dann könnt ihr trotzdem am Kongress teilnehmen. Die Orga freut sich, wenn sich noch Teilnehmende anmelden. Das könnt ihr hier machen: ZfA-Anmeldung.

Bis bald in Leipzig!